Schlagwort-Archiv: Seelterfräisk

Lehrer lernen Saterfriesisch

Saterland – Saterfriesisch soll mittelfristig an den Grundschulen in der Gemeinde Saterland verpflichtender Bestandteil des Unterrichts werden. Damit das möglich wird, müssen Lehrer und Lehrerinnen ausgebildet werden. „Das Saterland als Modellregion für frühe Mehrsprachigkeit“ ist deshalb ein Konzept überschrieben, mit dem Grundschullehrerin Ingeborg Einhaus aus Wittensand mehr Saterfriesisch sprechende Pädagogen an den Grundschulen und in den Kindertagesstätten für den Unterricht qualifizieren möchte. Einhaus ist Lehrerin an der Grundschule Scharrel und koordiniert als Fachberaterin den Saterfriesisch-Unterricht an Schulen und Kindergärten in der Gemeinde.

Eingebunden in das Modellprojekt sind die Oldenburgische und die Ostfriesische Landschaft. Ziel des Vorhabens ist es, an jeder Grundschule mindestens einen Pädagogen für den Saterfriesisch-Unterricht auszubilden. In den Kindergärten sollen es jeweils zwei Erzieherinnen sein. Ingeborg Einhaus: „Wir möchten erreichen, dass die Kinder die Sprache erlernen, denn bislang ist es nur eine Sprachbegegnung. Wir möchten das Saterfriesische als Kulturgut erhalten. Das Erlernen dieser Sprache stiftet Identität und sorgt für eine heimatliche Verwurzelung der Menschen.“ Den Kindern werde zudem ein Bildungsvorteil vermittelt.

Das sei am Ende jedoch nur möglich, wenn an den Schulen mehr Saterfriesisch unterrichtet werde. So ist vorgesehen, das Saterfriesische als Umgangs- und Unterrichtssprache einzuführen. Dann wird an den vier Grundschulen in der Gemeinde bis auf den Deutsch- und Englischunterricht in allen Fächern auf Saterfriesisch unterrichtet – auch in Mathematik.

Gestartet wird mit zwei Grundschulen, deren Lehrer über ein Projekt der Ostfriesischen Landschaft ausgebildet werden. Die Finanzierung der dreieinhalbjährigen Ausbildung hat das Niedersächsische Kultusministerium übernommen. In einem weiteren Projekt mit der Oldenburgischen Landschaft werden die Erzieherinnen der fünf Kindergärten geschult. Es haben sich bereits neun Erzieherinnen angemeldet, berichtet Ingeborg Einhaus. Angewiesen sind die Veranstalter auf weitere finanzielle Hilfe. „Dafür suchen wir noch Sponsoren“, sagte Ingeborg Einhaus, die übrigens fließend Saterfriesisch spricht. Starten soll das Ausbildungsprojekt für Pädagogen im Sommer 2011.

Quelle: http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Cloppenburg/Saterland/Artikel/2469856/Lehrer+lernen+Saterfriesisch.html

"Krögers Heini" wird 90

Scharrel – Heinrich Kröger, ein Saterfriese von echtem Schrot und Korn, der am 1. November 1920 in Scharrel das Licht der Welt erblickte, feiert heute seinen 90. Geburtstag. Jeder in Scharrel kennt ihn als „Krögers Heini“ und kaum einer kennt Scharrel und das Saterland besser als er. Nach der Volksschule in Scharrel begann er eine Malerlehre in Barßel. Nach seiner Gesellenprüfung wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Viermal wurde er zum Teil schwer verwundet, ehe er 1945 in seine Heimat zurückkehrte.

Die Liebe zum Saterland und seiner Sprache bestimmen auch heute noch das Leben des Jubilars. Denn wer im Saterland einen Ansprechpartner in Sachen Saterfriesisch oder eine Führung durch die Gemeinde oder durch die Scharreler Mühle sucht, wird auch heute noch gern an „Kröger Heini“ verwiesen. Sein Herzensanliegen ist noch immer die Pflege und Verbreitung der saterfriesischen Sprache und des Brauchtums. Mehr als 15 Jahre war er im Beirat des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland tätig, und viele Jahre war er gemeinsam mit Professor Dr. Marron Fort für die saterfriesische Sprachforschung tätig. Heinrich Kröger ist aber auch Mitbegründer der Kolpingfamilie Scharrel, des Heimatvereins Saterland „Seelter Buund“, dessen Vorsitzender (Boas) er mehr als 15 Jahre war. Er ist Mitbegründer des Musikvereins und des Dorffest-Komitees.

30 Jahre gehörte Heinrich Kröger dem Vorstand des Schützenvereins „Hubertus“ Scharrel an, davon 16 Jahre als Vorsitzender. Aber auch in vielen anderen Vereinen, in der Theatergruppe und im Kirchenausschuss übernahm der Jubilar Ämter und Verantwortung. In seiner Ratsarbeit und als letzter Bürgermeister der Gemeinde Scharrel bis zur Bildung der Gemeinde Saterland 1974 hat er die Entwicklung des Ortes entscheidend mitgestaltet.

Quelle: http://www.ga-online.de/index.php?id=540&did=33825

Lobbyist für alle Saterfriesen

Saterland – Er versteht sich als Lobbyist für Sprachminderheiten. Als Präsident des deutschen Komitees im Europäischen Büro für Sprachminderheiten und Regionalsprachen ist er seit zehn Jahren in ganz Europa unterwegs. Karl-Peter Schramm (61) aus Scharrel hat bei seiner Arbeit ganz besonders die saterfriesische Sprache im Visier. Schließlich wurde er vom Heimatverein Seelter Buund in den Europa-Job entsandt – und bereits mehrfach als Präsident im Amt bestätigt.

Vor 30 Jahren kam Karl-Peter Schramm ins Saterland. Der gebürtige Oldenburger, dessen Eltern aus Oberschlesien stammten, gelangte durch seinen Lehrerberuf in den Kreis Cloppenburg. Der pensionierte Sonderschulpädagoge hat sich mit den Menschen, mit der Region und der Sprache angefreundet. Auch wenn er das Saterfriesische nicht sehr gut beherrscht, wie er freimütig einräumt, ist Schramm ein eindeutiger Verfechter der Sprach-Identität der Saterländer: „Ich muss nicht Saterfriesisch sprechen können, wenn es in Brüssel beispielsweise darum geht, für den Sprachenunterricht in Schulen und Kindergärten Gelder zu besorgen oder neue Projekte zu initiieren.“

Mit dem Seelter Buund kam er über seine Arbeit im Gemeinderat in Kontakt, denn seit 20 Jahren sitzt Schramm für die SPD in diesem Gremium. Und ebenfalls seit gut 20 Jahren engagiert sich Schramm im Heimatverein – und eben auch in Brüssel. Alles ganz ehrenamtlich.

Das Europäische Büro in Brüssel versteht sich als Netzwerk der Sprachminderheiten und Regionalsprachen. Schramm: „Wir kümmern uns um den Erhalt der seltenen Sprachen. Immerhin sprechen 50 Millionen Menschen in Europa eine Minderheiten- und Regionalsprache.“ Dazu zählen neben dem Saterfriesischen beispielsweise das Sorbische, die Sprache der Waliser, der Basken, der Bretonen, der Friesen oder der Sinti und Roma.

Im kommenden Dezember hat Schramm die Mitglieder des Deutschen Komitees zu einer Versammlung nach Hannover eingeladen. Dann geht es auch um nationale Kooperationen. Dabei hat er auch ein klares politisches Ziel im Auge: „Ich wünsche mir, dass das Saterfriesische in die Niedersächsische Verfassung aufgenommen und damit besonders geschützt wird. Das würde die Ausbildung und den Einsatz von Saterfriesisch-Lehrer in unserer Schulen erheblich erleichtern.“

Quelle: http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Cloppenburg/Barssel/Artikel/2464972/Lobbyist+f%FCr+alle+Saterfriesen.html

Saterfriesisch erlebt eine Renaissance

Saterland – Die saterfriesische Sprache stand im Zentrum bei der Mitgliederversammlung des Heimatvereins Saterland, Seelter Buund, im Landgasthof Dockemeyer in Ramsloh. Dazu begrüßte der 2. Vorsitzende Georg Pahl unter anderem Ehrenboas Heinrich Kröger.

Als Höhepunkte des vergangenen Jahres nannte Pahl das Friesentreffen auf Helgoland, den Besuch der Westfriesen, die den Saterfriesen das Kaatsen-Spiel näherbrachten, und den Besuch des damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Auch neue Projekte wurden vergangenes Jahr angeschoben, beispielsweise der „Seelter Stammdisk“. Initiatorin Adelheid Pörschke rief die Vereinsmitglieder dazu auf, sich am Stammtisch – jeden ersten Sonntag im Monat von 10.30 bis 12 Uhr – zu beteiligen. Bisher nehmen rund zwölf Personen teil.

Ems-Vechte-Welle berichtete regelmäßig

Dieter Wallschlag berichtete über den Radiosender Ems-Vechte-Welle, der alle 14 Tage aus dem Studio „Skäddel“ sendet. In der Sendung „Middeeges – Saterfriesisch & Plattdeutsch“ wurden 2009 aus dem Studio Scharrel 102 Stunden gesendet. Es waren der saterfriesische Lesewettbewerb zu hören und verschiedene Vereine. „Das Saterfriesische erlebt eine Renaissance“, stellte Dieter Wallschlag fest. Gleichzeitig rief er die Mitglieder auf, den Radiosender in Scharrel zu stärken, indem er gehört werde, und auch Beiträge für die Sendungen zu liefern.

Ingeborg Einhaus informierte als Fachleiterin „Seeltersk“ an den Schulen über das geplante Modellprojekt „Das Saterland als Modellprojekt für die Mehrsprachigkeit“ (der GA berichtete). Bisher habe es in den Kindergärten und Schulen nur stundenweise Saterfriesisch gegebe – mehrheitlich durch ehrenamtliche Helfer.

Mindestens 60 000 Euro sind für das Projekt aufzubringen

Jetzt möchte man mehr tun, um die Minderheitensprache als wertvolles Kulturgut zu erhalten: in Form von zweisprachigen Kindergärten und Schulen. Bedeutet: Es wird Betreuer und Lehrer geben, die ausschließlich Saterfriesisch sprechen. Der Vorteil: Die Kinder sind ständig von der für sich noch fremden Sprache umgeben und lernen sie quasi nebenbei.

Mindestens 60 000 Euro sind für das Projekt aufzubringen. Unterstützer werden händeringend gesucht. Auf der Versammlung wurde angeregt, den Mitgliedsbeitrag für fünf Jahre um zehn Euro zu erhöhen und das Geld ins Projekt fließen zu lassen. Darüber soll nun beraten werden.

Queltext: General-Anzeiger 12. Oktober 2010

Die seelterske „Struwwelpeter“ is deer

Gretchen Grosser aus Ramsloh hat das Kinderbuch von Heinrich Hoffmann übersetzt

Die Autorin hat die Geschichten von Daumenlutscher, Zappel-Philipp und vom fliegenden Robert ins Saterfriesische übertragen. Das Buch ist im Verlag Edition Tintenfaß in Neckarsteinach erschienen.

RAMSLOH – Als der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann 1844 ein Bilderbuch für seinen damals dreijährigen Sohn Carl suchte, fand er nichts, was ihm geeignet erschien. Also griff er selbst zu Papier und Feder. Seine Geschichten erfreuten nicht nur den Filius, sondern auch den Verleger Zacharias Löwenthal, mit dem Hoffmann befreundet war. 1885 erschien die erste Auflage des „Struwwelpeter“. Inzwischen ist das Buch in viele Sprachen übersetzt worden.
Gretchen Grosser aus Ramsloh hat die Geschichten ins Saterfriesische übertragen. Die Idee dazu hatte Dr. Walter Sauer aus Neckarsteinach in Hessen. Er ist nicht nur als Experte für Minderheitensprachen bekannt, sondern auch als Mitinhaber und Leiter des Verlages Edition Tintenfaß. Das Unternehmen ist spezialisiert darauf, Bücher in Minder- und Regionalsprachen herauszugeben – so wie jetzt den seeltersken „Struwwelpeter“.

Gretchen Grosser aus Ramsloh hat in diesem Jahr auch schon das Buch „Der kleine Prinz“ in die saterfriesische Sprache übersetzt.

„Wät foar ‘n Bliedskup. Nu hääbe wie in een Jier two näie Seeltersk-Bouke – dän ,Littje Prinz‘ un jetzt uk dän ,Tuusterpäiter‘. Dät hiede iek mie silläärge nit toacht, dät die ,Struwwelpeter‘ uk in Seeltersk tou uursätten is.
As Dr. Walter Sauer mie aleer moal fräigede, of iek mie wäil al moal mäd düt Bouk befoatje kude, hääbe iek him kweeden, dät iek fon Riemjen niks ferstounde. Deerap waas eerst moal Stille, un iek toachte, nu weet hie Beskeed, un iek hääbe mien Raue. Oaber Dr. Sauer kude dät nit läite. Ättern Skoaft fräigede hie noch insen, of iek mie al mäd dän ,Struwwelpeter‘ anfrüündet hiede.
Do bän iek ounfangt mäd ju eerste Snurre un stjuurde ju Geschichte ätter Neckarsteinach. Do waas Dr. Sauer oaber bliede! Hie broachte truch Aidjen un Ferbeeterjen mien Riegen so gjucht tou’n Klingen. So geen dät munter fääre mäd älke Snurre un alles mäd E-mails. Dät aal slumpede gjucht goud. „Wie bee skällen dät Bäiden wäil skuukelje“, häd Dr. Sauer mie skrieuwen un mie so Moud moaket. Un so is dät dan uk wuden. Man, sunner him, die al ful ,Struwelpetere‘ in uur Sproaken un Dialekte broacht häd, hiede uus ,Tuusterpäiter‘ wäil nit pränted wäide kuud. Iek alleenich hiede dät nit kropped.
Die Dr. Sauer fon ju Edition Äänketfät kon nu uk al Seeltersk, häd hie daach sogoar dät eerste Gedicht in düt Bouk säärm in uus Sproake uursät. So konnen wie him goar nit genouch tonkje un sunt uuremäite bliede, dät uk Heern Dr. Sauer dät Uurlieuwjen fon uus Seeltersk so an’t Haat lait.
Betonkje wollen wie uus uk bie ju Oldenburgische Landshaft, ju uus altied moal wier truch Jäildreeken Stöan rakt. Uus Raiffeisenboank Skäddel häd uk mee deertou biedrain, dät düt froaie Bouk äntstounde kude. Nu wollen wie hoopje, dät ful litje un groote Seeltersk-Baaler un Ljude, do dät leere wollen, Feroarigaid an düt Bouk hääbe. Uuremäite skuul mie fraue, wan die , Tuusterpäiter‘ uk in Kindergärten un Skoulen bruukt wät.“
•Ruutkeemen is die „Tuusterpäiter“ in dän Verlag Edition Tintenfaß in Neckarsteinach unner ISBN 978-3-937467-82-5. Tou kriegen is dät fonsäärm fluks bie Gretchen Grosser in Roomelse.
Die „Tuusterpäiter“ kostet 13.90 Euro.

http://www.verlag-tintenfass.de/HTM/thematische%20Liste.htm#struwwel Edition Tintenfass – weitere Fremdsprachen- und Mundart-Adaptionen des Struwwelpeter

Queltext: General Anzeiger 02. Oktober 2010

Friesisch muss ins Grundgesetz aufgenommen werden

BERLIN – Die Bundestagsfraktion der Linken fordert die Aufnahme der friesischen Sprache ins Grundgesetz.

Dies gab die Partei in einer Erklärung am Mittwoch bekannt. Damit reagiert sie auf den Bundestagsvorsitzenden Norbert Lammert, der die deutsche Sprache unter Verfassungsschutz stellen will.

Den Linken zufolge müsse dieser Status aber auch für das Friesisch und für die drei anderen Minderheitensprachen in Deutschland gelten: Dänisch, Roma und Sorbisch, das von den ursprünglich slawischen Bewohnern in Teilen der früheren DDR gesprochen wird.

Schätzungen zufolge sprechen in Deutschland 12.000 Menschen Friesisch, hauptsächlich in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die meisten davon leben in Nordfriesland zwischen Hamburg und Dänemark.

Queltext: dnews.de 28. Juli 2010